Vorwort: In der Sommerpause 2006 und nach verdautem Abstieg aus der 1. Liga kommen einem schon merkwürdige Ideen.

Aus einer anfänglichen Spinnerei, ein Auswärtsspiel in der neuen Saison mit dem Fahrrad zu besuchen,

kamen Wir schnell auf einen Nenner und entschieden uns für TuS Koblenz.

Anfänglich wurde das Rennrad eingeplant was sich aber noch ändern sollte.

Die Anzahl der geplanten Fahrer waren erstmal auf 2 beschränkt, auch das änderte sich aber im Verlauf der Planung noch ein 'wenig'.

Nach eifrigen Planungen und taktischem geplänkel kam nun der DFB ins Spiel und zwar mit dem Spielplan...

TuS Koblenz- MSV Duisburg, erstes Spiel in der Rückrunde und somit mitte Januar. Schock!

Zwei Männer drei Wörter: 'egal Wir fahren' !



DIE VORBEREITUNG: Nun gut, ein Sonntagsspiel. Es stand fest dass Wir 2 Tage einplanen um das Ziel zu erreichen.

Anfangs planten Wir dann noch 2 Begleit PKW's ein da die Rennrad Idee, aufgrund der Jahreszeit,

in eine Mountainbiketour umschlug und Wir statt der anfänglichen 2 Fahrer, plötzlich zu sechst fahren wollten.

Die Rücktour würden Wir dann mit den PKW's und einem Anhänger erledigen. Für den 2. PKW gab es noch keinen Fahrer.

Dieser fand sich aber schnell nach der ersten Trainingseinheit mit dem Rad am Niederrhein :-)

nämlich genau nach 3 gefahrenen Kilometern. Es war nicht so schwer ihn zum Autofahren zu überreden zumal dann auch noch Freitag Arbeiten angesagt war

und er erst am Samstag zu uns stoßen könnte.

2 von 3 geplanten Trainingswochenenden wurden dann auch tatsächlich genutzt,

die Teilnehmer der Tour waren allerdings erstmal nie komplett im Training.

Der Anhänger wurde organisiert, Essen-und Trinkplan standen schnell. Unterkünfte standen fest.Es hätte losgehen können...

Doch es kam dicke: 2 Absagen wegen der Arbeit, eine wegen der Uni und eine weitere aus persönlichen Gründen.

Das Hauptfeld reduzierte sich somit auf 2 Fahrer und einen PKW mit 2 Frau Besatzung.

PLAN B: Jetzt erst recht, Wir fahren!



TAG 1: Oder Tag 1 nach Kyrill: Die Abfahrt war an der MSV Arena

für 8.30 am Freitagmorgen geplant, hätte klappen können wenn auf der Drecks A59 mal was gehen würde.

Es wurde somit etwa 9.00Uhr bis Wir auf die erste Etappe Duisburg-Köln gingen.




In der Nacht zuvor wehte das Sturmtief Kyrill ein wenig durch die Gegend und Wir wussten dass es uns auf jeden Fall noch ärgern würde.

Viele Ampeln kamen uns auf dem ersten Stück in Richtung Rhein eigentlich noch zugute,

so konnte man langsam aber sicher den richtigen 'Tritt' finden. Geplant hatten Wir,

unter den Vorraussetzungen von Wetterseite, im Übrigen einen Schnitt von etwa 15 Km/h für die geschätzten 95 km nach Köln.

Als Wir den Rhein dann erreichten, an dem Wir uns möglichst aufhalten wollten, blies der Wind mittelheftig von der rechten Seite.

Wir fuhren rechtsrheinisch und wurden somit wenigstens abgehalten in den reißenden Strom zu fallen.

Es dauerte nicht lange bis Wir die Räder über, unter, neben umgestürzte Bäume herum tragen und/oder schieben mussten.

Leck der Bello! Es sah aus als hätte es in der Nacht zuvor heftig gestürmt.

Wir waren froh nun nicht auf einem Rennrad mit acht bar Reifendruck sitzen zu müssen

denn auch so waren die Schläge von umherliegenden Geäst schon heftig genug.

Wir trafen uns wie geplant etwa alle 12-15 Kilometer mit dem Versorgungs- PKW um die Trinkflaschen zu füllen.

Und NEIN, Wir haben nicht einen Tropfen Alkohol an Bord gehabt, ihr glaubt's eh nicht.


Bei Kilometer 42 unterhielten Wir uns über die geschaffte Marathon Distanz und stellten fest das Läufer se nicht alle haben.

Im Verlauf der Strecke erinnerten Wir uns dann alle 10 Kilometer daran

das Wir vor 10,20,30 usw. Kilometern das Thema Marathon aufgriffen. Klingt bescheuert, war aber so.

Es lief bestens, auch wenn der ein oder andere mal so seine Durchhänger hatte. Ab Leverkusen sag ich mal wurde es hart.

Wir hatten das Bayer Werk umfahren da es da keinen Radweg gibt und quatschten uns von nun an bis Köln gegenseitig vorwärts.

Wer den Dom zuerst sah ist nicht mehr zu beweisen, aber Wir sahen ihn.

Im Leben hätte ich nicht gedacht mich mal über das Teil freuen zu können, was soll ich sagen, Wir freuten uns.

Wir passierten die Eisenbahnbrücke in Richtung Dom und trafen den PKW nach Umwegen an einer Tankstelle.

Schnell noch die Räder' klein' gemacht, die mussten nämlich im Auto übernachten.

Zwangsläufig wurde der Tachostand dann noch abgelesen: 100,84 gefahrene Kilometer in etwa 5 Stunden und 9 Minuten,

Wir waren überrascht. Mit einem solchen km pro Stunde Schnitt hatten Wir niemals gerechnet.




Wir holten uns dann per PKW den Schlüssel für unsere Übernachtungsmöglichkeit ab.

Danke an dieser Stelle nochmal an Stalle von den H-Blox !!! 2 Bier, 1 Kölsch was gegessen und geschlafen wie die Toten.



TAG 2: Oder:'er wird doch nicht zurück kommen?'

Köln-Koblenz, geschätzte 90km.

Unsere größte Sorge an diesem morgen waren die Teile zwischen Sattel und Wirbelsäule.

Wie würde es sich anfühlen wieder die Foltermaschinen zu besteigen?

Wir stiegen in der Nähe vom Dom auf's Rad und stellten erstaunt fest: Dat geht!




Es war Samstagmorgen um etwa 10.00 Uhr als dies geschah. Der Wind, so dachten Wir,

stünde sicher so wie gestern und die Fahrtrichtung bliebe ja die gleiche,nur mit weniger Kurven im Rhein.

Wir befanden uns nun linksrheinisch und der Wind befand sich immer genau vor uns.

Das Problem war das der Wind aber nicht nach Koblenz wollte, sondern, so wie es schien, nach Duisburg.

Wir bekamen die komplette Strecke den sprichwörtlichen Wind von vorne.

Man gab alles und manchmal auch noch mehr. Feuerwehr Absperrungen wegen umgestürzter Bäume wurden ignoriert.

Die Hochwasser Warnhinweise, (eigentlich waren es auch Streckenweise Sperrungen des Radweges) waren egal

und somit kam es wie es kommen musste. Plötzlich befanden Wir uns etwa 30cm tief im Rhein,

was uns aber neuen Antrieb gab, da es eigentlich fast witzig war.

Es regnete, der Wind blies und nun auch noch die Reifen 30 cm im Rhein.




Schleppend ging es vorwärts, man sah ja nicht worauf man gerade rumfuhr. Egal, bloß nicht den Rheinradweg verlassen.

Die Anwohner und auch Passanten waren sehr freundlich, oder sie lachten uns einfach nur an und dachten sich ihren Teil,

man weiß es nicht. Die letzten etwa 30 km von Andernach, oder wo dat war, liefen wieder wie geschmiert.




Das Ziel war Nah, 'Deutsches' Eck' ist das Stichwort!

Richtig übel war dann noch das 'Deutsche Eck' etwa 35 Meter vor sich zu haben, aber einen 4 km Bogen fahren zu müssen,

weil irgend so ein anderer Fluss da meint in den Rhein fließen zu müssen.

Ein schnelles Telefonat mit dem PKW und Wir stellten fest dass Wir zu schnell waren.

Weder unser Auto, noch ein aus Oberhausen angereister 'im Ziel in Empfang Nehmer' waren am Zielpunkt vertreten.

Zeit für ne Zarette, lass et 2 gewesen sein. Koblenz soll wohl, den Erzählungen nach, nicht so toll für Autos sein !?!

Mit dem Fahrrad ging's!

Wir waren da! Die Empfänger auch. Schön ersma Sektdusche gemacht und 50 m ausgelaufen, jo tatsächlich, Wir sind gejoggt zum Auto.




Und es war ein schönes Gefühl, vermutlich weil unser Körper dat schon gar nicht mehr kannte.

Abends lecker zum Griechen und dann aber inkl. Nachtisch !

Ab ins Hotel, Licht aus.



FAZIT:

Unmengen an Bananen, Powerriegel und Elektrolyt Getränkepulver vernichtet.




Sehr geile Tour, landschaftlich ein Leckerbissen, tolle Fahrradwege inkl. Beschilderung auf der gesamten Strecke

(mit dem Rennrad allerdings nicht zu empfehlen! Kurze Teilstücke mit Schotter und altem, groben Kopfsteinpflaster).

Die Jahreszeit war bis auf den Wind bestens gewählt, Temperaturen so um die 10 Grad.

Glück war auch dabei.... hätten Wir die Tour 1-2 Tage später begonnen wären die Radwege vermutlich nicht mehr befahrbar gewesen.


201,6 km von der MSV Arena zum Deutschen Eck in Koblenz.

Reine Fahrtzeit: 10 Std. und 19 Minuten.




Die nächste Tour wird übrigens Duisburg - Mainz, so Gott will und der FSV nicht absteigt ;-)








(Text Ralf)